
Wer hätte gedacht, als 1883 in der Leipziger 'Illustrierten Zeitung' das erste gerasterte Foto in einem deutschen Presseorgan erschien, welche rasante Entwicklung die Presse- und Werbefotografie in den nächsten 125 Jahren nehmen wird.
Heute ist die Fotografie die bestimmende Kraft in der Werbung und der Presse. Mit keinem anderen Werkzeug lassen sich so präzise Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte transportieren, wie mit Bildern. Gleichzeitig begreifen wir Fotografien von Begebenheiten, Katastrophen und Kriegen als Zeitzeugen. All zu leicht möchten wir Ihnen glauben, doch oft vergessen wir, dass auch die Fotografie eine bildende Kunst ist und keine Realität.
Muss ich als Fotoreporter und Fotograf nicht was anderes sagen, sollte ich nicht darauf hinweisen, dass Bilder nicht lügen? Nein muss ich nicht. Es ist die Verantwortung des Fotoreporters oder des Fotografen allgemein, mit welchen Mitteln er arbeitet. Es ist seine Entscheidung welche Bilder er produziert, mit allen Konsequenzen und der Wirkung auf den Betrachter. Auch die neue digitale Technik macht, zugegeben, vieles einfacher, aber im Grundsatz bleibt alles beim Alten.
Warum sage ich das? Bilder gibt es heute in schier unendlicher Zahl und mit Hilfe der digitalen Medien in fast jedem Bereich zu Spotpreisen. Ein paar gut platzierte Schlagworte in einer Datenbank für Stockfotografie, schon hat man für ein paar Euro die gewünschten Fotos für seine Werbung im Kasten. Das schont den Geldbeutel und sieht gut aus. Auch in der Presse gibt es das schon, eine monatliche Pauschale an eine große Bildagentur und dem bestellenden Verlag werden Bilder aus aller Welt in unbegrenzter Anzahl geliefert. Günstiger geht's nicht. So werden Bilder zur beliebigen Massenware, im Duzend billiger und im Abo zum Spotpreis. Das zwingt viele Fotografen auf die Knie, entweder teilnehmen und wenigstens einen Teil vom Kuchen mitverdienen oder der Beruf wird endgültig zum Hobby.
Doch halt, da gibt es ja noch die Firmen, die Marken, die sozialen und politischen Gruppierungen, die eigene Kampangen starten und viel Geld für Ihre Bilder bezahlen. Da gibt es auch noch Magazine und Zeitschriften, die sich eigene Fotostrecken leisten. Warum eigentlich? Finden die denn nichts in den Datenbanken oder bei den Bildagenturen? Eine Marktlücke? Weit gefehlt. Wer sich über längere Zeit ein Image aufgebaut hat, weiß warum er nicht irgendein Bild aus einer Datenbank für eine Kampagne benutzt. Wer eigene Bildstrecken in seinen Magazinen und Zeitschriften veröffentlicht, weiß dass ihn das von der Konkurrenz abgrenzt.
Damit schließt sich auch der Kreis. Werbung und Presse lebt von Einzigartigkeit. Wer es nicht versteht sich von Mitbewerbern, Konkurrenten oder Gegnern abzugrenzen verschleudert sein Geld oder noch schlimmer geht unter.
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